Bericht und Fotos von Kundgebung gegen Crossmedia

Am 19. August 2020 fand in der Kohlfurter Straße 41 in Berlin-Kreuzberg eine Kundgebung unter dem Motto „Bundeswehr abschaffen – Weg mit Crossmedia!“ statt an der sich etwa 60 Menschen beteiligten. In der Kohlfurter Straße 41 befindet sich die Berliner Zweigstelle der Düsseldorfer Werbe-Agentur Crossmedia GmbH. Sie verdient prächtig an der Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Crossmedia hat einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium zur Durchführung aller Maßnahmen zur so genannten Nachwuchsgewinnung. Mit der Kundgebung wurde ein weiteres Mal deutlich gemacht, dass Crossmedia im Kiez nicht willkommen ist.

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Es war ein großes Polizeiaufgebot in der Kohlfurter Straße präsent und der Gehweg um das Büro von Crossmedia wurde weiträumig mit Hamburger Gittern abgesperrt. Das Büro von Crossmedia war am 19.8. geschlossen, die Protest-Kundgebung zeigte somit wie auch bereits im Dezember 2019 Wirkung. Zu Beginn gab es einen Beitrag von NoWar Berlin mit Hintergrundinformationen zu Crossmedia: „Crossmedia hat für die Bundeswehr die Webserien ‚Die Rekruten‘, ‚Mali‘ und ‚KSK‘ gemacht. Dabei arbeiten sie mit der Düsseldorfer Agentur Castenow zusammen. Neuerdings ist auch eine Firma ‚Tacsy‘ mit im Boot, die auf Social Media spezialisiert ist. Sie hat eine Zweigstelle in Berlin-Charlottenburg in der Niebuhrstraße.“

Eine Aktivistin von Rheinmetall Entwaffnen Berlin rief auf zur Beteiligung am zentralen Aktionstag gegen die Kriegsindustrie vom Bündnis Rheinmetall Entwaffnen in Kassel am 28. August. Eine Vertreterin von Plakativ berichtete über ihre Arbeit und die Repressionen, die zurzeit gegen Adbusting passieren. Die Stadtteil-Initiative Kreuzberg 36 ging auf Gentrifizierung und Militarisierung im Kiez ein. Eine Vertreterin von MilA (Militärs letzter Atemzug) sprach zu patriarchalen Strukturen und Antifeminismus in der Bundeswehr.

Der Beitrag vom Antikriegscafe beschäftigte sich mit Digitalisierung und Militär, insbesondere bezogen auf die Social-Media-Formate der Bundeswehr-Werbung. Die „Gruppe gegen das europäische Grenzregime“ hielt einen Redebeitrag zu Bundeswehreinsätzen in Mali. Im Beitrag der feministischen Kampagne Gemeinsam Kämpfen hieß es: „Wenn wir die omnipräsente, im lockeren Jugendformat daherkommende Werbung der Bundeswehr sehen, könnten wir kotzen. Viele Millionen Euro investiert die Bundeswehr jährlich, um Jugendliche in ihre patriarchale, rechte Struktur – welche für deutsche Kapitalinteressen an zahlreichen Orten auf der Welt Krieg führt – zu locken.“

Zum Abschluss der Kundgebung wurde auf die Gedenk-Demo an die Opfer der rassistischen Morde vor sechs Monaten in Hanau hingewiesen und aufgerufen zum Hermannplatz zu gehen.

Fotos

Beiträge

  • Beitrag von NoWar
  • Beitrag von MilA
  • Beitrag vom Antikriegscafe
  • Beitrag von Gemeinsam kämpfen
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    Crossmedia steht für Bundeswehr steht für Krieg

    Beitrag von NoWar Berlin

    Wir stehen hier vor der Berliner Zweigstelle der Werbeagentur Crossmedia, die für die Rekrutierungs-Kampagne der Bundeswehr „mach, was wirklich zählt“ mit verantwortlich ist.

    Ich möchte hier einige Hintergrundinformationen zu Crossmedia geben. Crossmedia wurde 1977 gegründet und hat nach eigenen Angaben 250 Mitarbeiter*innen. Die Bilanzsumme betrug 2019 607 Millionen Euro. Der Hauptsitz ist in Düsseldorf und es gibt Filialen in Hamburg, Bielefeld, Berlin sowie in London und den USA.

    Zielgruppe der Werbung sind vor allem jungen Menschen, es gibt eine Abteilung ‚crosskids‘, wo Kinder als Konsument*innen angesprochen werden. Dazu passt, dass die Bundeswehr, bereits 17-jähige rekrutiert, was gegen die Kinderrechtskonvention der UN verstößt. Crossmedia-Werbung ist dadurch gekennzeichnet, dass verschiedene Werbeträger von Werbetafeln über Verkehrsmittel bis zu Filmen auf YouTube miteinander verbunden werden und durch kreative Gestaltung die Aufmerksamkeit auch von Menschen erzwungen werden soll, die das beworbene Produkt kritisch sehen.

    Soldat*in zu sein, wird in der Bundeswehr-Kampagne als Abenteuer mit Karrieregarantie angepriesen. Kein Wort davon, für Marktzugänge und strategische Interessen dieses Staates auf Befehl andere Menschen zu töten und auch das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Dabei ist doch gerade das der Kern des Soldat*innenberufs!

    Crossmedia hat für die Bundeswehr die Webserien ‚Die Rekruten‘, ‚Mali‘ und ‚KSK‘ gemacht. Dabei arbeiten sie mit der Düsseldorfer Agentur Castenow zusammen. Neuerdings ist auch eine Firma ‚Tacsy‘ mit im Boot, die auf Social Media spezialisiert ist. Sie hat eine Zweigstelle in Berlin-Charlottenburg in der Niebuhrstraße.

    Für die KSK-Serie sowie eine Werbung für die Deutsche Angestelltenkrankenkasse wurde Crossmedia im Juli 2020 mit dem Deutschen Medienpreis ausgezeichnet. Hier wird die Aufhübschung einer Killertruppe für preiswürdig befunden, wo selbst die Kriegsministerin nicht umhinkonnte, eine Kompanie wegen nicht mehr zu leugnender Verbindungen mit offenen Faschisten auszulösen!

    Wir leben in einer Gesellschaft, wo alle Dinge Waren sind, es austauschbar ist, ob Kreativität für das Töten oder die Gesundheit von Menschen eingesetzt wird. Dies zeigt auch die Spannbreite der Auftraggeber von Crossmedia. Sie reicht von Lidl, und einer Hundfutterfirma, über das vermeintliche Leitmedium ‚Spiegel‘ bis hin zu NGOs wie ‚Aktion Mensch‘ und ‚Ärzte ohne Grenzen‘. Letztere könnten sich vielleicht mal überlegen, ob es wirklich ihrem Image dient, die Werbung von derselben Agentur gestalten zu lassen, die die KSK-Killer vermarktet.

    Corossmedia jedoch hat sich längst entschieden. Sie begrüßen folgerichtig die Aufstockung des Wehretats. Wir müssen sie als politische Gegner begreifen. Das sehen offensichtlich auch andere so. Es gab im Dezember hier schon mal eine Kundgebung. Unbekannte Aktivist*innen haben den Ort mehrfach mit Farbe markiert, zuletzt kurz nach dem 1. Mai. Wir wollen in einer Gesellschaft leben, wo Dinge und Fähigkeiten von Menschen keine Waren mehr sind, keine Kriege mehr geführt werden müssen.

    Das geht nur ohne Kapitalismus.
    Weg mit Crossmedia – Kein Werben fürs Töten und Sterben

     

    Gegen Patriarchat und Bundeswehr

    Beitrag von Militärs letzter Atemzug (MilA)

    Die Bundeswehr zieht nicht nur Rechtsextreme an, sondern ist Einstieg in rechte Ideologie und Habitus – in ihr herrscht ein Klima, in dem zugrundeliegende Vorstellungen erzeugt und reproduziert werden. Von Wehrmachtssoldaten gegründet überrascht es nicht, welche Nazi-Netzwerke heute innerhalb der Bundeswehr existieren. Franco A. und Hannibal sind keine Einzelfälle. Und sie waren auch nicht nur vom ‚Soldatensein‘ angezogen, sondern wurden ebenso von der Struktur der Bundeswehr mit erzogen.

    Das hochhalten und dauerhafte bestärken von Werten wie Stärke, Disziplin, und Rationalität sind hierbei nicht unerheblich. Neben Nationalismus und Autoritätsverherrlichung sind es nicht zuletzt patriarchale Vorstellungen von Männlichkeit und Geschlechterrollen, Familienbildern und Heteronormativität, die der Bundeswehr als Struktur inhärent sind und gleichzeitig rechte Tendenzen bestärken.

    Die Bundeswehr ist eine vergeschlechtliche Institution, in der eine bestimmte Form von Männlichkeit institutionalisiert und mystifiziert wird, um das Militär in seinen Strukturen zu stützen. Die Vorstellung der soldatischen Männlichkeit und die gleichzeitige Abwertung und Ablehnung weiblich assoziierter Eigenschaften haben ihren Ursprung im Militär; Vorstellungen von Ehre, Stärke und Disziplin. Soldat*innen werden dazu trainiert in Extremsituationen zu gehorchen und Befehle auszuführen. Dies erfolgt vor allem durch eine ständige Überforderung, die wenig Raum für eigenständiges Denken lässt. Es bleibt keine Zeit, Befehle zu reflektieren und über deren Sinnhaftigkeit nachzudenken und genau das ist auch das Ziel dieser Konditionierung. Soldat*innen werden normiert, um sich dem Zweck des Militärs optimal unterzuordnen. Und das um kapitalistische Interessen durchzusetzen und eine Welt der Unterdrückung und Ausbeutung aufrecht zu erhalten.

    Offizielle wie inoffizielle Rituale machen aus den einzelnen Individuen eine „Masse“, die gemeinsam denkt und handelt. Korpsgeist und ein Gefühl der Überlegenheit – die Symbole und Rituale der Bundeswehr sind eng mit den Vorstellungen von soldatischer Männlichkeit und ihrer Herstellung verknüpft. Auch die Uniformierung und die Fortbewegung im Gleichschritt stellen eine Körperhaftigkeit da, die explizit männlich konnotiert ist.

    Die Vorstellung von Männlichkeit als stark und rational dient zudem als Schutzmechanismus gegenüber der eigenen Emotionalität. Erst die Tabuisierung der eigenen Gefühle und Emotionen, die als „weibisch“ abgetan werden, ermöglichen viele Aufgaben der Soldat*innen in einem Einsatz. Sich in Lebensgefahr zu bringen, andere Menschen zu verletzen oder zu töten. Hier erweisen sich männliche Mythen, wie Heldentum und Ehre, als funktional, um die notwendige Überwindung eigener Affekte und Wünsche zu ermöglichen. Gerade diese Überwindung der eigenen „Schwäche“ und „Weiblichkeit“ ist der Kern des männlichen Mythos.

    Diese Abwertung von weiblich assoziiertem Verhalten und der vehemente Versuch traditionelle – also unterdrückende Rollenbilder in der Bundeswehr aufrechtzuerhalten scheinen sich laut einer wissenschaftlichen Vergleichsstudie von 2005 und 2015 in den letzten Jahren eher verschlechtert, als verbessert zu haben. Die Bundeswehr versucht sich vergeblich darin mit Inklusivität zu glänzen – sei es das YouTube-Format „Die Rekrutinnen“ oder das Werben mit Frauen in Führungspositionen mithilfe von Medienunternehmen wie eben Crossmedia – doch 2015 geben 55 Prozent der Soldatinnen an innerhalb der Truppe mindestens eine Form sexueller Belästigung erlebt zu haben. Die Abwertung von Frauen zu herkömmlichen Rollenbildern, Sexualisierung und Objektifizierung, sexualisierte Übergriffe in der Bundeswehr – all das kommt nicht von ungefähr, sondern ist in der Grundstruktur der Institution verankert.

    Die Abwertung alles weiblich Assoziierten schafft aber nicht nur eine tödliche Funktionalität, sondern auch ein Setting in dem Sexismus, Antifeminismus, Homo-; Trans- und Frauenfeindlichkeit erzeugt und gepflegt werden. Und diese sind Einstiegsthemen der extremen Rechten. Sie sind fester Bestandteil rechter Ideologie und immer wieder Motivation für tödliche Anschläge und rechten Terror. Wie auch in Hanau, wo vor sechs Monaten zehn Menschen aus rassistischen Motiven ermordet wurden. In einem Pamphlet widmete der Mörder ein ganzes Kapitel seinem Verhältnis zu Frauen – seinem Frauenhass und Antifeminismus. Ein antikapitalistischer, emanzipativer Feminismus muss sich somit auch gegen Krieg und Militär positionieren.

    Gegen die Bundeswehr, die voll von Nazis, Rassist*innen, Antisemit*innen und nicht zuletzt misogynen, trans- und homofeindlichen Antifeminist*innen ist und deren Struktur patriarchale Unterdrückung bestärkt und aufrechterhält.

    Patriarchat und Bundeswehr zerschlagen!

     

    Crossmedia – verpiss dich!

    Beitrag vom Antikriegscafe

    Wir sind heute hier, weil Krieg und Militarisierung den öffentlichen Raum immer mehr in Beschlag nehmen. Busse, Trams und S-Bahnen gondeln in Tarnfarben durch die Städte, auf Werbetafeln vor allem der Wall AG wird uns das Töten und Sterben für die Bundeswehr schmackhaft gemacht. Hintergrund des Ganzen ist, dass die Bundeswehr dringend auf der Suche nach neuem Kanonenfutter ist, um die kriegerische Politik von Annegret Kampf Knarrenbauer in die Tat umzusetzen. Um Einflusssphären und wirtschaftliche Interessen Deutschlands weltweit durchzusetzen braucht es in den Augen der Herrschenden eine schlagkräftige Bundeswehr, die nicht nur gut ausgerüstet ist, sondern auch aus mehr als den derzeit über 180.000 Soldat*innen besteht.

    Seit Aussetzung der Wehrpflicht 2011 ist es für die Bundeswehr nicht mehr so leicht, neues Kanonenfutter zu finden. Auch die Verankerung in der Gesellschaft lässt zu wünschen übrig. Deshalb wurde mit castenow eine Werbeagentur beauftragt, genau dies zu ändern. Seit 2015 werden wir deshalb allenthalben im Rahmen der Kampagne „Mach was wirklich zählt“ mit Bundeswehrwerbung an fast allen öffentlichen Orten belästigt. Aber nicht nur dort. Auch im Internet ist die Kampagne auf allen großen sogenannten Social-Media-Plattformen präsent. Verantwortlich dafür zeichnet sich Crossmedia, vor deren Berliner Niederlassung wir heute stehen. Crossmedia zeichnet sich verantwortlich für Web-Serien auf YouTube, zu deren bekanntesten „Die Rekruten“ oder „KSK“ zählen. Ihr letztes Machwerk ist die Serie „Die Rekrutinnen“, womit gezielt Frauen fürs Töten und Sterben gewinnen sollen.

    Dass Crossmedia dabei ein verharmlosendes Bild davon zeigt, die grausame Realität von bedingungslosem Gehorsam, Krieg und Besatzung ausblendet und meint, der Kern des Soldat*in-Seins sei ein einziges Abenteuerspiel statt brutales Töten und Sterben, ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass Crossmedia im Dienste der Bundeswehr ein Akteur der militärischen Digitalisierung geworden ist.

    Crossmedia nutzt Möglichkeiten der Digitalisierung, in diesem Fall die Möglichkeiten der sogenannten Sozialen Medien, um die Bundeswehr als Arbeitgeberin schmackhaft zu machen. Sie spricht vor allem junge Menschen gezielt an, unterstützt von datenbasierten Filterblasen, um gezielt das passende Kanonenfutter zu finden. Militärische Digitalisierung in diesem Fall bedeutet direkte Rekrutierung und Militärpropaganda ohne den Umweg über eine kritische Öffentlichkeit. Dadurch, dass die Werbung im Netz stattfindet, kann davon ausgegangen werden, dass sich die Adressat*innen nicht mehr innerhalb ihres sozialen Umfelds und gegebenenfalls kritisch mit den präsentierten Inhalten auseinandersetzen müssen. Die Inhalte werden direkt und meist alleine vor einem Bildschirm konsumiert. Sogenannte social-engineering-techniken wie gamefication und nudging tun ihr Übriges dazu, eine unkritische Wahrnehmung der Inhalte zu gewährleisten.

    Damit hat die Bundeswehr mit Crossmedia einen willigen Vollstrecker für digitalen Militarismus und digitale Kriegsführung gefunden. Die Bundeswehr treibt aber auch auf anderen Ebenen die militärische Digitalisierung voran. So hat sie zum Beispiel den Cyber Innovation Hub in Charlottenburg eingerichtet. Dieser dient als Anlauf- und Schnittstelle der Bundeswehr in die Start-Up-Community. Ziel ist, Innovationen aus der Start-Up-Szene einem militärischen Nutzen zuzuführen.

    Und wenn wir schon bei Start-Ups sind. Eine Brücke weiter im alten Umspannwerk in der Ohlauer Straße sollte der sogenannte Google-Campus entstehen. Durch Googles Beteiligung am Projekt Maven, für das Google Bilderkennungssoftware zur gezielten Tötung durch Drohnen lieferte, zeigte Google welches Ausmaß militärische Digitalisierung annehmen kann. Und auch wenn sich Google aus dem Projekt zurückgezogen hat, kooperiert Google nach wie vor mit dem US-Militär.

    Aber das Beispiel Google-Campus zeigt: Wir können den Akteuren der Digitalisierung, die auch immer einen militaristischen Arm hat, Paroli bieten. Wie Google seine Träume eines Campus in Kreuzberg erstmal nicht verwirklichen konnte, werden wir auch Crossmedia klarmachen können, dass sie weder hier in Kreuzberg, noch in Düsseldorf, Hamburg, Bielefeld, London und New York willkommen sind.

    Denn überall gilt:
    Kein Werben fürs Töten und Sterben!
    Crossmedia – verpiss dich!

     

    Kein Werben fürs Sterben – als internationalistische Feminist*innen der Kampagne Gemeinsam kämpfen fordern wir: Bundeswehr abschaffen

    Beitrag von Kampagne Gemeinsam kämpfen

    Wenn wir die omnipräsente, im lockeren Jugendformat daherkommende Werbung der Bundeswehr sehen, könnten wir kotzen. Viele Millionen Euro investiert die Bundeswehr jährlich, um Jugendliche in ihre patriarchale, rechte Struktur – welche für deutsche Kapitalinteressen an zahlreichen Orten auf der Welt Krieg führt – zu locken.

    Besonders wütend macht uns die Selbstinszenierung der Bundewehr als vermeintlich feministische Institution, welche die sogenannte Gleichstellung praktiziert. Wer aber Soldat oder Soldatin zu sein, als „normalen, abenteuerlichen Beruf“ darstellt, der nun anscheinend auch offen für all gender und sexuelle Orientierungen sei, verkennt oder vertuscht die Motive gesellschaftlicher Unterdrückung von LGBTQI*s. Queerfeminismus bedeutet für uns nämlich ganz sicher nicht die Integration in hierarchische, militaristische, im Kern frauen- und homo- und transfeindlichen Strukturen, wie beispielsweise die der Bundeswehr. Die Eingliederung in unterdrückende Strukturen, die dem Ziel dienen, andere Menschen zu unterdrücken, sie zu töten und als Grundvoraussetzung dafür den zukünftigen Soldat*innen jeden Willen an eine selbstbestimmte, feministische Politik nimmt, führt den Begriff der Gleichheit ad absurdum. Höhnischerweise wird auch noch darauf hingewiesen, dass qualifizierte Arbeitsplätze winken. Als ob die Arbeiter*innen, die gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen eine gleichberechtigte Stellung zu ihrem Arbeitgeber hätten. Zudem sammeln sich Rassist*innen, Nazis und Antisemit*innen in der Bundeswehr, wie 2017 nochmal besonders deutlich ans Licht kam. Männerbünde in denen völkische und antifeministische Ideologien und Entscheidungsschlachten zwischen einem phantasierten wir oder den „anderen“ ausgesponnen werden und wo Verschwiegenheit unter Kameraden ein wichtiges Prinzip ist, dienen uns ganz bestimmt nicht.

    Denn für uns bedeutet Feminismus sich mit der kurdischen Frauenbewegung und den antipatriarchalen, antinationalen Kämpfen von Frauen, Lesben, Trans und Non-Binary zu weltweit zu solidarisieren. Wir haben kein Bock, dass sich die Bundeswehr mit aufwändigen Werbekampagnen in der Gesellschaft verankert und Militarismus gepaart mit soldatischer Männlichkeit verharmlost und propagiert.

    Denn das ist kein Spiel! Heteropatriarchale Gewalt hat viele Gesichter. Sexistische, homo- und transfeindliche Äußerungen und Übergriffe, selektive Schwangerschaftsabbrüche sowie die Illegalisierung von diesen, systematische Feminizide als Kriegsmittel, Vergewaltigungen, Folter, Vertreibung, Flucht und Massaker. Türkische Besatzertruppen und Islamisten greifen seit Monaten das kurdische Autonomiegebiet in Nordsyrien an. Kurdische Frauen kämpfen dort an vorderster Front. Militärische, patriarchale Gewalt wird dort als Mittel eingesetzt um die Frauenrevolution in Rojava zu vernichten. Frauen und Kinder werden häufig zum bevorzugten Angriffsziel. Wie zum Beispiel auch die Vorkämpferin der Frauenrevolution Hevrin Khalaf die am 12. Oktober 2019 gefoltert und brutal hingerichtet wurde.

    Doch dieser Krieg könnte nicht ohne die wirtschaftliche und militärische Kooperation zwischen der Türkei und einem seiner wichtigsten Handelspartner, nämlich der Bundesrepublik Deutschland stattfinden. Der deutsche Staat, dem die Bundeswehr so fleißig dient, steht ihr in puncto Heuchelei in nichts nach. Doch die Fassade der selbsternannten Vorzeige-Demokratie bröckelt. In den letzten Wochen konnten wir von politischen Vertreter*innen viele Verurteilungen der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion in Nordostsyrien hören. Doch blieb es bei Lippenbekenntnissen. Es wurden weder ein umfassendes Waffenembargo noch ernstzunehmende wirksame wirtschaftliche Sanktionen beschlossen! Und warum? Weil Deutschland selbst eine patriarchale, aggressive Außenpolitik fährt und deshalb das AKP-Regime hofiert. Wurde doch zum Beispiel 2016 ein widerlicher Deal zur Militarisierung und Sicherung der europäischen Außengrenze wurde 2016 mit dem AKP-Regime beschlossen. Die EU zahlt der Türkei insgesamt zirka sechs Milliarden Euro dafür, dass sie die Grenze zu Griechenland dichthält. Auch hier mischt die Bundeswehr mit und beteiligt sich im Rahmen von NATO-Einsätzen an der militärischen Abriegelung Europas.

    Obwohl offensichtlich ist, dass in der Türkei faschistische, diktatorische Zustände herrschen, nutzt das ach so demokratische, feministische Deutschland keine seiner unzähligen Möglichkeiten den türkischen Staat unter Druck zu setzen. Die Türkei ist momentan noch der größte Abnehmer deutscher Waffen. In der türkischen Ausgabe der Militärzeitschrift „Defense and Aerospace“ hieß es unter anderem: „Wenn heute in der Türkei überhaupt von einer Rüstungsindustrie gesprochen werden kann, so hat sie das in allererster Linie der Bundesrepublik Deutschland zu verdanken. Firmen wie Fritz Werner, Heckler und Koch, Rheinmetall, MBB und Diehl sind unserem Verband der Maschinen- und Chemieindustrie bestens bekannt.“

    Die Türkei als NATO-Partner spielt auch insofern eine Rolle, da sie nach den USA die zweitgrößte NATO-Armee besitzt. Sie gilt fragwürdiger Weise als wichtiger Partner im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS). Dabei ist mittlerweile klar, dass das türkische Regime gezielt mit Islamisten zusammenarbeitet um den Widerstand der Bevölkerung in Syrien, gegen den türkischen Einmarsch zu brechen. Die Türkei hat mit dem NATO-Stützpunkt Incirlik einen der wichtigsten NATO-Stützpunkte für Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien und dem Irak. Dort sind neben Soldat*innen der US-Luftstreitkräfte auch Bundeswehrsoldat*innen stationiert, die mit Tornado Aufklärungsflugzeugen Daten weitergeben.

    Den Angriff auf Rojava in Nordostsyrien unterstützt der deutsche Staat auch durch seine weitreichende Kriminalisierung der kurdischen Bewegung und der türkischen Linken hier in der BRD durch den Paragraphen 129b.

    Ökologie, Selbstbestimmung sowie die Befreiung von jeglicher patriarchaler und kapitalistischer Unterdrückung und Ausbeutung, sind für uns die Säulen einer wünschenswerten Gesellschaft. Die Bundeswehr ist es sicher nicht, Crossmedia verpiss dich.