Interview mit NoWar Berlin

In der heute erschienenen Zeitung „basis“ gibt es ein Interview mit zwei AktivistInnen von NoWar Berlin zu ihrem Engagement gegen Krieg und Militarisierung. Darin werden sie unter anderem zu den Aktivitäten der Initiative und dem 1. Mai 2014 befragt.

» Zum Interview
» Basis-Zeitung als PDF

Aktiv gegen die Präsenz der Bundeswehr

Interview mit zwei AktivistInnen der Initiative NoWar Berlin

Hallo Karl und Simone! Wir würden euch gern ein paar Fragen stellen, um eure Gruppe näher kennenzulernen. Ihr nennt euch »NoWar Berlin« – was verbirgt sich dahinter?

Karl: Hallo! Genau genommen sind wir keine feste Gruppe, sondern eine Initiative verschiedener Menschen, die sich gegen Krieg, Militarismus und die damit verbundenen kapitalistischen Verhältnisse engagiert. Das heißt, dass so ziemlich jede und jeder bei uns gern gesehen ist, der oder die antimilitaristisch aktiv werden will oder einfach nur interessiert ist.

Und was macht ihr konkret?

Karl: Wir veranstalten jeden dritten Mittwoch im Monat ein offenes Treffen, bei dem es immer einen Informationsteil zu aktuellen Themen, wie zum Beispiel zu den öffentlichen Bundeswehr-Auftritten und anschließende Diskussionen zu möglichen Aktionen gibt. Wir bereiten eigene Demos vor wie zum Beispiel gegen die Aufstellung der Regionalen Sicherheits- und Unterstützungkräfte (RSU) im Dezember 2013, machen Redebeiträge, malen Transpis und sind aktiv gegen die Präsenz der Bundeswehr im öffentlichen Raum. Natürlich sitzen wir auch mal bei einem Wein oder Bierchen zusammen und tauschen uns über Meinungen und Ansichten zu allem möglichen aus.

Was hat euch zu »NoWar« gebracht?

Karl: Ich suchte eine undogmatische Gruppe engagierter Menschen, die viel Wert auf antimilitaristische Praxis legt und nicht zu versteift auf ihre Kerngruppe ist – und wurde fündig. Besonders schätze ich den Austausch verschiedener Individuen zu Themen, die auch mal über den Antimilitarismus hinausgehen können.

Simone: Ich möchte in einer Welt ohne patriarchale Herrschaft und kapitalistische Ausbeutung leben. Die Bundeswehr dagegen sichert die Macht des deutschen Kapitals gewalttätig ab und ist weltweit im Einsatz, um den Zugriff auf Rohstoffe und Absatzmärkte zu sichern. Damit wir unserem Ziel näher kommen, muss sie gesellschaftlich infrage gestellt und letztlich praktisch gestoppt werden. Dazu will ich beitragen, auch wenn die Möglichkeiten einer Initiative wie NoWar sicherlich begrenzt sind.

Am 1. Mai organisiert ihr einen gemeinsamen Block mit klassenkämpferischen Initiativen und dem Free-Mumia-Bündnis bei der 18-Uhr-Demonstration. Wie kommt es zu dieser Zusammenarbeit?

Simone: Wir wurden von den AktivistInnen der Initiative Klassenkämpferischer Block angesprochen und haben nach kurzer Diskussion spontan zugesagt. Wir sehen da viele Überschneidungen zwischen beiden Bereichen. Zum Beispiel nutzt die Bundeswehr bei ihren Werbekampagnen die prekäre Einkommenssituation vieler Menschen aus und lockt mit Karrierechancen. Wir wollen den 1. Mai nutzen, um sowohl gegen Kriege, Rüstung und die Militarisierung der Gesellschaft auf die Straße zu gehen, als auch um aufzuzeigen, dass zu einem konsequenten Antimilitarismus auch die Infragestellung der kapitalistischen Verhältnisse gehört.

Karl: Wer sich gegen die herrschenden Zustände wehrt, ist überall mit Repression bedroht. Die Militarisierung nach außen verstärkt zusätzlich die Repression nach innen, da das gesellschaftliche Klima durch die Kriegslogik autoritärer wird. Wir wollen uns gegen die Zumutungen des Kapitalismus wehren und werden am 1. Mai daher gemeinsam unter dem Motto »No war but classwar – für internationale Solidarität gegen Repression« auf die Straße gehen.

Wie stellt ihr euch zur Politik von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die sich zum Ziel gemacht hat, die Bundeswehr zum familienfreundlichen und attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands zu machen?

Simone: Seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 hat die Bundeswehr massive Probleme Nachwuchs zu rekrutieren. Deswegen soll die Bundeswehr als moderner und attraktiver Arbeitgeber dargestellt werden. Tatsächlich ist der Beruf des Soldaten und der Soldatin aber kein Job wie jeder andere. Es ist eine Ausbildung im Töten und getötet werden. Die Bundeswehr führt Krieg in Afghanistan, sie ist weltweit an militärischen Einsätzen beteiligt zum Beispiel im Kosovo und in Somalia. Die Bundeswehr ist außerdem eine männlich dominierte Organisation, in der Sexismus und Homophobie verbreitet sind.

Verstärkt nutzt die Bundeswehr Auftritte in Schulen und auf Jobmessen, um junge Leute anzuwerben. Welche Möglichkeiten gibt es dagegen aktiv zu werden?

Karl: Einige Berliner Schulen haben sich bereits zur »Schule ohne Militär« erklärt, das heißt sie haben per Schulkonferenzbeschluss festgelegt, die Bundeswehr nicht an ihre Schule einzuladen. Aber auch ohne Beschluss gibt es vielfältige Möglichkeiten, Öffentlichkeit gegen die Bundeswehr zu schaffen und gegen die Jugendoffiziere aktiv zu werden. Dies hält sie mitunter von der Wahrnehmung des Termins ab. Bei Jobmessen gibt es gute Erfahrungen mit kreativen Aktionen, die die Werbefeldzüge der Bundeswehr unmittelbar stören und die MessebesucherInnen direkt ansprechen. So kann zum Beispiel in der Art einer Theaterperformance als »Spurensicherung« oder ähnlichem aufgetreten werden, um darauf aufmerksam zu machen, dass es bei der Bundeswehr um staatlich beauftragtes Morden geht. Die Reaktionen der BesucherInnen sind oft positiv.